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Kurze Geschichte des Judo

Judo stammt aus Japan, wo es auf mythische Ringkämpfe und Preisringen am Kaiserhof zurückgeht. Die Kriegerklasse der Samurai entwickelte daraus ab dem 12. Jahrhundert verschiedene waffenlose Nahkampfsysteme. Sie verloren ab Mitte des 16. Jahrhunderts durch die von den Portugiesen nach Japan gebrachten Schusswaffen an Bedeutung auf dem Schlachtfeld, aber wurden in der militärischen Ausbildung weiterhin gelehrt und geübt. Mit der Meiji-Reform  und der Öffnung Japans veränderte sich Japan stark, und für eine kurze Zeit hatte alles „Westliche“ Vorrang vor den japanischen Traditionen. Doch schon zu Beginn der 1880er-Jahre gab es eine Rückbesinnung in Bezug auf die geistlichen und sittlichen Werte. Zu dieser Zeit wurde das „Jiu Jitsu“, wie die Nahkampfkunst damals genannt wurde, an vielen verschiedenen Schulen in unterschiedlichen Formen gelehrt. Zwischen den einzelnen Schulen gab es immer wieder Kämpfe, um herauszufinden, welche Schule die bessere sei - diese Kämpfe waren nicht mit heutigen Turnieren zu vergleichen, sondern hatten wohl ein wenig den Charakter einer organisierten Schlägerei, wo es durchaus auch Verletzte gab.

Kanō Jigorō (1860–1938) wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf. Er lernte Jiu Jitsu an verschiedenen Schulen und entwickelte daraus sein eigenes System aus Wurftechniken (Nage Waza), Bodentechniken (Ne Waza) sowie Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken (Atemi Waza). Auch Waffentechnik (z.B. mit Schwert und Stöcken) war im Lehrplan vorhanden. Seine Auswahl gründete auf dem Prinzip „möglichst wirksamer Gebrauch von geistiger und körperlicher Energie“. Kanō gründete 1882 seine eigene Schule, den Kōdōkan, in Tokyo, und nannte sein System  „Judo“, von „Ju“ wie „sanft“ oder „Nachgeben“ und „Do“ wie „Weg“ oder „Grundsatz“.

Als die Schüler Kanōs im Jahr 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kōdōkan-Schule und der traditionellen Jiu Jitsu-Schule Ryoji-Shintō Ryū für sich entscheiden konnten, setzte sich das Judo in Japan durch. Es wurde bei Polizei und Armee eingeführt und ab 1911 zum Pflichtfach an allen Mittelschulen erklärt. Das Judo dieser Zeit war als eine durchaus ernstzunehmende Selbstverteidigungskunst inklusive Schlägen und Fußtritten konzipiert (ohne die ein Sieg über Ryoji-Shintō Ryū nicht möglich gewesen wäre).

Im Laufe der Zeit veränderte sich Judo immer mehr vom Nahkampfsystem zum Wettkampfsport. Schlag-, Tritt- und andere, den Gegner ernsthaft verletzende Techniken wurden als für den Wettkampf unnötig nicht mehr unterrichtet und gerieten dadurch z.T. in Vergessenheit. Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe (Nage Waza), Falltechniken (Ukemi Waza) und Bodentechniken (Katame Waza). Allerdings gehören Schlag- und Tritttechniken immer noch zum Judo, werden aber erst in den höheren Graduierungen unterrichtet.
Für die Selbstverteidigung geeignete Techniken aus Judo und anderen Kampfsportarten wurden zum heutigen Ju-Jitsu zusammengefasst.

1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Der Schweizer Eric Hänni gewann damals die Silbermedaille in der Kategorie Leichtgewicht (bis 68 kg). Seit den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ist auch Frauen-Judo im olympischen Programm. Heute wird Judo in über 150 Ländern ausgeübt und ist damit die weitest verbreitete Kampfsportart der Welt.